Borna b Leipzig“ hieß mein erster Text, den ich nach meiner Ankunft in Leipzig an einem Samstag im Oktober 2000 verfasst habe. Der Text ist verschollen, aber ich erinnere mich noch, dass ich vor dem einzigen Dönerladen stand, dessen Scheibe „natürlich“ kaputt war. Die Herbstsonne schien auf die biergelben Scheiben eines einsamen Gasthauses, das ich zu Hause (im Süden der Republik) vielleicht wohlwollend als „Besenwirtschaft“ bezeichnet hätte. Bei meinem ersten Provinzausflug in den Osten sah ich keine Menschenseele, nicht einmal Gäste in der Gaststätte. Ich sah keine Ausländer, ich sah keine Inländer. Ich sah nur ein Casino und die kaputte Scheibe des Dönerladens. Ich fröstelte und fuhr zurück in die ostdeutsche Stadt.
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