Pandemie-Tagebuch (4): Sommerfrühling


Dieser Sommer 2020 ist mein Frühling. Denn ein Jahr ohne Frühling, wie dieses Jahr, ist eigentlich keines. Mein inneres Leben endet im November und beginnt im März.

Das entbiert jeder Logik, weil viele wichtige Menschen – einschließlich meiner Kinder und mir – in dieser Zeit Geburtstag haben. Aber die besten, großen Dinge sind mir immer im März passiert. Und erst, wenn es um 18 Uhr noch hell ist, nenne ich das Ganze „Tag“. Ich bin derart konditioniert auf mein März-Feeling, das ich sogar dazu neige, alles halbwegs Gute im März hochzujazzen. Meine Neigung, allem einen Sinn abzuverlangen, alles zu labeln, gerät dieses Jahr allerdings an seine Grenzen. Ich labele dieses Herumkäfern in den eigenen vier Wänden mit „in die vernünftigen Jahre kommen?!?“, obwohl ich mich lediglich genau so verhalte wie der überwiegende Teil der Menschheit. Im Keine-Ahnung-haben übe ich noch. Auch damit bin ich nicht allein, wie ich in den immer heftiger ausschlagenden Twitter-Eskapaden bemerke. Das Dreschen hat wieder begonnen. Aah.

Weiterlesen