Den trauernden
Seelen ein Ständchen
voller Licht
Die See schlägt
Purzelbäume und
verschlingt den Ton
Barmherziger Seelenkreisel
ächzt nach Erlösung
und findet doch nur
— sich selbst.
(c) Anja Mutschler, geschrieben im Frühjahr 2019
Den trauernden
Seelen ein Ständchen
voller Licht
Die See schlägt
Purzelbäume und
verschlingt den Ton
Barmherziger Seelenkreisel
ächzt nach Erlösung
und findet doch nur
— sich selbst.
(c) Anja Mutschler, geschrieben im Frühjahr 2019
Rennen wollen, aber nicht wissen wohin. Ausschalten wollen, aber nicht wissen, was sonst einschalten. Reden wollen, aber nicht wissen, worüber noch. Lesen wollen, aber nicht wissen, wie man die Gedanken einfängt. Schlafen wollen.
Helfen wollen, aber nicht wissen, wie.
(c) Anja Mutschler, 13.3.2022
Bild: Michael Mutschler, 2015, „Ein letztes Leben“, Acryl auf Leinwand
Die Phase der Differenzierung hat begonnen.
Ich bin irgendwie froh, weil mir Militärstrategien nichts sagen, denn
es
gibt
nichts Gutes
an einem Krieg.
Diese Art von Krieg auch noch, der tollkühn, hannibalhaft rüberkommen soll und wie eine Persiflage eines Kriegsfilmes umgesetzt wird.
Indes: die Opfer sind echt. Tot. Traumatisiert.
Es sind Ich und Du, die nach einem sonnigen Tag in der klirrend kalten Apokalypse aufwachen, keine Pause, Stop, Nochmal. Kein Film.
Dummheit und Zufall können jetzt alles entscheiden, auch den ultimativen Krieg. Aber wahrscheinlich war das schon immer so. Wenn ich mir die Militärstrategen so ansehe, sind die auf alle Fälle aus einem anderen Film.
Ständig diese Ungleichzeitigkeiten. Diese Art Krieg in Europa? Welche Worte wir jetzt wieder aus einer staubigen Kiste holen, plötzlich wieder mit Bedeutung: Natofall. Bodentruppen. Artellerie. Schreibt man das so? Sind unsere demokratischen Gesellschaften nicht längst in einer ganz anderen Zeit/Sinn/Seinzone angelangt?
Sterben fürs Vaterland. Ey, wieso Vater???
Blutszoll macht auch nicht mehr so richtig Sinn, der alte Spruch: Frauen menstruieren, Männer ziehen in den Krieg, wirft mehr Fragen auf als Antworten.
Dieser ganze Akt, die Vergewaltigung Europas (hey, Zeus) ist so alt, ein widerliches Aufbäumen einer alten Welt, in der der Zynische, der Gewaltvolle, der Absolute Recht bekommt. (Fußnote: Über das Kuschen werden wir sprechen, Deutschlands Gedächtnis und Schmerz bieten keine Lösung. Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut. Die erste Generation, die zivilen Ungehorsam verstanden hat.)
Die „Zivilist:innen“ auf alle Fälle sind Lichtjahre weiter.
„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“, wird zu: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner weiß, wie das geht.“
(c) Anja Mutschler, 11.3.2022
Bitte lest auch Salomé Balthus Text in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung oder bei ihr auf Facebook: https://www.facebook.com/salome.balthus.1