Du bist das
nicht-gemachte Bett, von dem ich mich erhoben habe,
um mein Tagewerk zu
verrichten.
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Du bist das
nicht-gemachte Bett, von dem ich mich erhoben habe,
um mein Tagewerk zu
verrichten.
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„Das Klimaschutzgesetz verpflichtet dazu, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 55 % gegenüber 1990 zu mindern und legt durch sektorenbezogene Jahresemissionsmengen die bis dahin geltenden Reduktionspfade fest (§ 3 Abs. 1 und § 4 Abs. 1 Satz 3 KSG in Verbindung mit Anlage 2). (…) Die zum Teil noch sehr jungen Beschwerdeführenden sind durch die angegriffenen Bestimmungen aber in ihren Freiheitsrechten verletzt. Die Vorschriften verschieben hohe Emissionsminderungslasten unumkehrbar auf Zeiträume nach 2030. Dass Treibhausgasemissionen gemindert werden müssen, folgt auch aus dem Grundgesetz.“
Aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2021 (Beschluss vom 24. März), aus dem Robert Habeck von Bündnis90/Die Grünen am 11.2.2025 in seiner letzten Rede im 20. Bundestag zitierte. (Link Beschluss, Link Rede Habeck)
Kein Zweifel: diese Bundestagswahl hat es in sich. Politisch engagierte Menschen wie ich schielen auf das zu erwartende Chaos nach der Wahl und fürchten uns jetzt schon vor den Wahlen danach. Dieses Gefühl ist neu. Für mich (als Politikwissenschaftlerin und langjährige, wissenschaftlich motivierte Begleiterin von Veränderungsprozessen) signalisiert dieses Bauchgrummeln auch, dass es um mehr geht als sonst. Daher habe ich mir mit diesem Text vorgenommen, auf den Grund meiner Irritation zu schauen. Denn für mich persönlich sind die politischen Entscheidungen, die zu treffen wären, klar: die Transformation in eine Wirtschaft und Gesellschaft, die imstande ist, die Klimakrise zu bremsen.
Ich bin ehrlich traurig darüber, dass die “Fortschrittskoalition”, die alle wesentlichen politischen Positionen zur Aushandlung eines innovativen, grünen und gerechten Übergangs in eine klimaneutrale (soziale Markt-)Wirtschaft vereint hat, so krachend gescheitert ist. Nun stehen wir vor einem Scherbenhaufen, bei dem es sich an manchen Tagen so anfühlt, als gäbe es eine Zwangsläufigkeit, in eine autokratisch geprägte Zeit hineinzustürzen wie unsere alte brotherhood, die USA, brutal, rassistisch, Naturgesetze und Menschlichkeit verachtend. Gleichzeitig spüre ich entschiedene Gegenwehr, nicht nur in mir. Wenn ich die schrillen Kanäle abschalte, ins direkte Gespräch gehe, wenn ich zuhöre oder einen längeren Text lese, wenn ich in von mir kuratierte Feeds und ausgewählte Gruppen gehe, dann sehe ich schnell, wie groß die Sehnsucht einer erquicklichen Zahl Menschen ist, eine gemeinsame Zukunftsvision zu entwickeln.
WeiterlesenIch wollte sehen, wer du bist. Nun klappe ich dich wieder zu. Hinter der aufgereihten Routine ist nur Wahnsinn.
Dein Blick bar jedes Gedankens stehst du vor mir.
Tausendundein Vogel
jenseits der See;
meine Wimpern umkreisen deine Seele.
Wir sprechen selten heute, es ist
einer jener Tage,
graublau,
aber wenn ich neben dir sitze und dein Nichtdenken zu mir herüberschwappt, weiß ich. Bin ich. Atme ich. Ein und wieder aus; du willst den Kopf drehen, aber ich erzähle etwas, damit du mich weiter ansiehst. Dein Blick bleibt blank, wie ein Katechismus. Es ist einer jener Tage.
Deine Seele ist voller Vorfahren, deren Geschichten du nicht kennst; deine Ahnen, gingen sie zur See? Stets vorbereitet auf eine Harpunenjagd, aber stumm einer Frau gegenüber. Gemeinsam schwimmen wir hinaus, deine großen Arme kämmen träge durchs Wasser, du bist drei Meter groß.
Manchmal will ich untergehen, nur um zu sehen, ob du mich rettest.
Wir tauchen gemeinsam. Deine Harpune – ist sie auf mich gerichtet? Schlingpflanzen liebkosen meine Schenkel. Du siehst zur Sonne. Schön, sage ich. Dann beginnst du einen sinnlosen Wettkampf und bist am Ufer, ehe ich losgeschwommen bin.
Haben wir uns je geküsst? Ich sitze neben dir wie ich unter einem Baum im Sommerwind sitze, gehüllt in Seide. Du bist der Wind und die Wurzel. Der Ackerbauer und der Wandergesell.
Wir kennen uns so viele kleine Stunden, dass wir schon tausend gemeinsame Tage hatten. Manchmal versuche ich, hinter die Gedanken zu kommen. Als Antwort stellst du mir eine Frage, die mich auf Grund und Boden weist. Manchmal sind wir für einen kurzen Moment wir, und wissen nicht, was wir tun sollen. Einmal habe ich deinen Fuß massiert. Auf deiner Dachterrasse nisten Welpen.
Wir schwimmen ein letztes Mal hinaus, das Ufer zittert durch den Zerrspiegel der
Blasen,
die wir strampelnd schlagen. Später reichst du mir das Handtuch. Der Himmel schaut unanständig. Dein Blick ist umwölkt, ein Seidentuch weht zu uns herüber. Ich lege lachende Apfelschnitze auf deine schönen Augen. Du riechst nach Achselhaaren.
(c) Anja Mutschler, 2023/2025
Höflich macht die Ratlosigkeit Platz, als an einem Morgen,
verschwitzt und hustend dem Bett entronnen,
das Licht genau so stand, dass ihr Gemüt sich
jener Freude erinnerte
die sie einst getragen hatte.
Diese Freude war so groß gewesen wie Gott.
von
der Liebe getragen ließ sich alles tragen und ihren Irrtum,
dass sie dachte, diese Liebe sei nicht auch die zu sich oder
dass sie der Liebe nicht mehr würdig/fähig, dieser Irrtum
zerriss den Morgen im Mehrfamilienhaus
mit frohen Tränensalven in ein Vorher und ein altes, nun taufrisches Nachher.
Du warst immer da, nicht wahr? Ich habe dich nicht sehen können.
Denn du bist ruhig. Du bist da, wenn nichts ist. Du bist da, wenn es Gründe gäbe, sich nicht zu freuen. Genau dann bist du hier und sagst: sieh, die Liebe zu deinen Nächsten ist so groß, da kannst du mit Freude tun, was zu tun ist.
Danke, dass du da bist. Danke, dass ich dich wieder gefunden habe.
Später wird ein Freund sich darüber nicht wundern, weil er alles, was wir sind, für gleichzeitig möglich hält.
Wir haben die Wahl. Ich muss 46 Jahre alt werden, um dies zu verstehen. Vergessen will ich es nie wieder.
–
Der Anschlag in Magdeburg macht mich sehr traurig. Gewalt ist im Kern immer unsinnig und diesen Akt finde ich deshalb so monströs, weil er aus dem Chaos gespiesen zu sein scheint, den das Feuer an Desinformation und bewusst geschürte Spaltungen in der Gesellschaft hervorrufen. Offenbar ist ein Mensch, der einst geradlinig war, durchgedreht. Das kann viele Gründe haben. Aber tatsächlich muss ein Arzt doch einen weiten Weg gehen, um vom Menschen heilen zum Menschen töten zu kommen. Und diesen Weg geht ein Geist nicht ohne Weiteres. Ich habe seit der Pandemie und fortgesetzt im Angriffskrieg Russlands Verschiebungen in Debatten von Menschen erlebt, die zuvor eine gerade innere Haltung hatten. Auch hier sind die Gründe verschieden, warum der Vertrauensverlust in die Wirksamkeit von Demokratie dazu führt, dass eine Verschwörungstheorie attraktiver erscheint als das tägliche menschliche Ringen um Richtig- und Wahrhaftigkeit. Aber das Ergebnis scheint unbedingte Mitleidlosigkeit zu sein und das ist nun wirklich das Ende der Menschheit. Daher geht bitte immer wieder in Euch, wenn ihr Hass, Abwertung, Häme, Verachtung spürt. Es nicht gedeihen zu lassen und wenn man nicht mehr weiter weiß, Hilfe zu holen, ist die Art von Verantwortung, die wir alle tragen. Auch Menschen, die erkennbar am Durchdrehen sind, aus dem Spiel zu nehmen, zählt dazu. Sonst geschehen diese Taten, die Menschenleben zerstören. Die Spaltung vertiefen. Das Chaos vergrößern. Und neue Menschen hervorbringen, die diese Taten begehen. Lasst uns alle miteinander gegen den Spaltpliz arbeiten. Sprecht mit Menschen, die durcheinander gekommen sind in den letzten Jahren. Bestärkt sie in den guten Seiten und setzt klare Grenzen, wenn sie moralisch abdriften. Das kostet nichts. Aber wenn wir weiter so lauernd aufeinander blicken ist das, was die Marionettenspieler der „new chaos world order“ vorhaben, gelungen. Wir verkämpfen uns miteinander und gegeneinander anstatt den Gierigen, Unmäßigen, Kalten, Schwächeverachtenden immer wieder zu sagen: STOP, nicht weiter hier. Dieses Gebiet gehört der Menschlichkeit. Menschlichkeit ist, solche Taten nicht zu denken und schon gar nicht zu wollen!!!
[Anja Mutschler, 21.12.2024]
Manche haben die Zeit ihres Lebens, während uns das Herz ausbrennt. Es ist doch nur Politik, sagen sie, und füllen fleißig ihre Stiefel. Meine Siebenmeilenstiefel haben Löcher, die Sturmflut dringt aus den Kadavern, die dem neuen Pragmatismus zum Opfer gefallen sind. Junge Frauen weinen auf Demonstrationen, manchmal umarmen ihre Partner sie so zärtlich wie die Welt sie umarmen sollte. Beinahe hätten wir es geschafft, die Handlung im Angesicht der Verletzlichkeit und Würde anderer zu etablierten. Beinahe hätten wir vermocht, Weiblichkeit jenseits der Mütterlichkeit zum Prinzip zu erheben. Beinahe wären wir ebenso frei gewesen, ebenso mächtig, ebenso entscheidend. Ebenso mittelmäßig, aber erfolgreich. Ebenso langweilig, aber entscheidend. Ebenso faul, aber wirksam. Ebenso kompromisslos, aber anerkannt.
Enough!
Die Patriarchen aller Länder vereinigen sich. Sie zählen rückwärts und tragen Schulterpolster aus Dollarscheinen. Die rechte Frau legt sich bereit. Ein gar schönes Leben wartet auf euch, ihr manche, ihr viele, ihr viel zu viele.
(c) Anja Mutschler 2024

Deine Mauern sind dick wie ein Extraleben. Mehrfach schon habe ich den Meißel angesetzt. Du wehrst ihn lässig ab, hast es längst erwartet. Dein Lächeln ist dein Tor zur Seele, deine Mundwinkel steuern den Zutritt. Nun halte ich das Steigbügel in den Händen, aber ich zeige es dir, denn reden können wir über alles. Du seufzt und sagst, ich weiß, und zeigst mir die Route. Das Ende sehe ich nicht, Nebel schwimmt um dein Gemüt. Ich lege das Gerät beiseite und behalte meinen BH an.
Aus „Evol“, Adrianne Lenker, 2024
Love spells evol,
backwards, people
words back, words
backwards are lethal
Ich höre Musik nur zum Vergnügen. Wenn ich also sage, dass mir nur selten Lieder wegen ihrer guten Texte in Erinnerung bleiben, umfasst diese Aussage lediglich einen winzigen Ausschnitt aus der Musikgeschichte. Der frühe Henning May von AMK ist dabei, einige Lieder von Janis Joplin, Stromae natürlich und neuerdings auch die US-amerikanische Country-Sängerin (!) Adrianne Lenker. Kein Algorithmus hat mich auf ihre Spur gebracht, sondern ein Feuilletonbeitrag mit etwas schrägem Titel.
Ich muss schon viel Zeit haben, um Musikrezensionen zu lesen. Auf einer etwa 45-minütigen Fahrt im roten Doppeldecker-Bus von London Greenwich nach London City war der angenehme Zustand der Ennui erreicht. Während draußen das London der alten Docks und Lagerhäuser an uns vorbeifuhr und ich mich an den Umstand gewöhnte, dass in der britischen Hauptstadt alles adrett ist, auch das Hässliche, vertiefte ich mich in eine Rezension bei Spiegel Online.
Der Text von Andreas Borcholte begann glücklicherweise so interessant für einen Text-Addict wie mich, dass ich, die das Wort Countrymusik noch nicht verdaut hatte, dranblieb.
„Manche, sehr seltene Alben sind so dicht geschrieben und komponiert, dass man schon beim ersten Song andauernd auf die Pausentaste klickt, um dann zurückzuskippen und noch mal nachzuhören: Was hat sie da gerade gesungen? Oder einfach nur, um nachzusinnen, um noch einmal die Schönheit eines winzigen Songmoments zu erleben, der sonst allzu flüchtig vorbeigeweht wäre.
»Bright Future«, das fünfte und bisher beste Soloalbum der US-amerikanischen Songwriterin Adrianne Lenker ist so ein Wunderwerk. Dabei wirkt es zunächst gar nicht spektakulär: Auf den ersten Blick sind es nur ein paar hinreißend knarrende und klimpernde Folk-Songs mit intimen Texten, die Lenker zusammen mit ein paar engen Freunden irgendwo in den Wäldern von New England im Studio aufgenommen hat.“
Und was, soll ich sagen: er hat Recht!
WeiterlesenKein traurig, sag ich
Kein will,
Kein denken, hoff ich
Kein still
Laute Nippeleien
Stattdessen
Und Augenartigkeiten
Komm essen.
Kein komm
Kein bleib.