Du bist das
nicht-gemachte Bett, von dem ich mich erhoben habe,
um mein Tagewerk zu
verrichten.
–
Du bist der Hauch Aufstehgeruch, den ich mitgenommen habe auf meiner Reise
um
die
Welt, um dann dort zu landen, wo es
–
einen echten
Blockwart gibt (selbsternannt zwar, aber mit Stammbuch). So weit also
habe ich es gebracht,
na prima!
Seine Nase glich Stephen King, der so gruselig aussieht wie seine Bücher sind. Diese
zu großen Nasenlöcher, wie ein zweites Augenpaar.
Als die Welt eh seltsam war, brüllte eine Haus-Nachbarin mich an, weil ich vergessen hatte,
den Karton für die Papiertonne zu verkleinern.
Ich konnte nicht an mich halten und sagte ihr schließlich, dass ihr gelbes Gesicht wohl einen
gelben Geist beherberge.
Es dauerte zwei Jahre, ehe wir uns wieder grüßten.
Der Blockwart grüßte nie
als Erster.
Eines Morgens lag er tot daheim, man fand ihn erst Tage später.
–
Du bist der Vogelgesang, den ich auf meinen Runden um den sträucherbepflanzten
See suche.
Es ist schön dort, aber die Angelruten, die im Wasser liegen, hängen an Menschenarmen
mit Runentattoos, der Mittelfinger stets auf halber Höhe. Man weiß nie.
Dorfdeppen gibt’s wohl überall.
–
Dafür kann man
nackt
baden zwischen Schwänen, Familien, Bärtigen, Sternen und selbstbewussten Frauen jeder Art.
Es ist der Ort hier, an dem mir die Heimat dort am nächsten ist
das Für (Apfelbäume, Hühner, Milch vom Bauern) und
Wider (scheele Blicke, hohe Sträucher, Wahlergebnisse) – mein alter
Zählreim.
Ich kann ihn einarmig hüpfend auswendig.
–
Du bist der einfache Zusammenhang, den ich geflohen bin,
du bist der Kommentar zur Lage, dem ich ausgewichen bin,
du bist die Unveränderlichkeit, die ich anzweifle,
stets gut informiert, denn mit analytischem
Abstand,
erträgt man alles, auch ein
kaltes Bett.
Dass du noch warm bist, wenn ich wiederkomme,
dass die Decke federnd sich aufschlagen lässt,
dass die Natur ihr Konzert unverdrossen weitergespielt hat über all diese Jahre
dass ich wieder einsteigen kann,
gleich einraste,
mich einklinken darf
Hallo oder Grüß Gottle sagen,
Au Revoir oder Nu gloar
diese non-chalante Willkommenskultur, das kann nur
Heimat, dieser zeitentleerte Ort, der
alles vergibt.
–
Hoffentlich auch nackt baden.
(c) Anja Mutschler, März 2025
Sehr schön und anschaulich geschrieben. Sozusagen aus dem Herzen ins Herz. Fühle mich etwas als Seelenverwandter. Das müsste in ein Buch.
Sug
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Danke 🥰
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